„Bin stolz und voller Vorfreude auf EURO“


Andreas Gahleitner ist der Talente-Coach des LASK und begleitet besonders talentierte Schwarz-Weiße auf ihrem Weg von der Akademie in den Erwachsenenfußball. Bei der UEFA EURO 2020 ist Gahleitner gemeinsam mit Torhüter Alex Schlager mit an Bord und verstärkt den Betreuerstab als Spielanalyst. Im Interview spricht der 39-Jährige über seine Aufgaben beim LASK und im Nationalteam – und gibt seinen EURO-Tipp ab.

 

Andreas, seit Anfang letzten Jahres bist du beim LASK als Talente-Coach tätig. Was genau verbirgt sich hinter dieser Berufsbezeichnung?

Meine Hauptaufgabe als Talente-Coach ist die individualisierte Betreuung unserer Top-Talente beim LASK. Dieses Aufgabenfeld geht zurück auf das vom ÖFB gestartete „Projekt 12“, bei dem die begabtesten Spieler Österreichs in ihren Vereinen bestmöglich unterstützt werden sollen. Als Talente-Coach diene ich hier quasi als Bindeglied zwischen dem Spieler, dem LASK und dem ÖFB. Aktuell betreue ich beim LASK sieben Projekt-12-Spieler, die überwiegend in der AKA LASK Juniors OÖ aktiv sind und gleichzeitig in den Nachwuchs-Nationalteams spielen.

 

Wie sieht diese individuelle Betreuung konkret aus?

Darunter fallen zum Beispiel Individualtrainings mit den Spielern, mein persönlicher Schwerpunkt liegt aber vor allem in der Spielanalyse: Hier sehe ich mir mit dem jeweiligen Spieler entscheidende Spielszenen im Detail an, um zu erkennen, wo er sich noch verbessern kann, aber auch, welche Inhalte er schon gut umsetzt. Außerdem fertigen wir Stärken-Schwächen-Profile an.  Aus diesen lässt sich gut ableiten, welche Trainings-Schwerpunkte ein Spieler braucht, um sich weiterhin gut zu entwickeln. Wenn ich beispielsweise feststelle, dass ein Spieler in puncto Kraft und Physis noch Aufholbedarf hat, kann ich mit der individuellen Betreuung gezielt einwirken. Und ganz allgemein ist es natürlich auch meine Aufgabe, dem Spieler die Prinzipien näherzubringen, die für das Spiel des LASK besonders wichtig sind.

 

Das heißt, die Betreuung ist hauptsächlich sportlicher Natur?

Nicht nur. Ich sehe mich auch als wichtigen Ansprechpartner für meine Spieler, bei Themen jeder Art. Insbesondere wenn Spieler ihre ersten Schritte im Erwachsenenfußball gehen, kann die höhere Trainingsbelastung und ganz generell das veränderte Umfeld eine Herausforderung sein. Wenn Spieler aus unserem Projekt-12-Kader hier Probleme haben, müssen sie nicht immer gleich das Gespräch mit dem Cheftrainer suchen, sondern können im ersten Schritt Dinge auch mit mir abklären.

Welche Stationen hast du vor deinem Engagement beim LASK durchlaufen?

Vor knapp 12 Jahren war ich bereits beim LASK – damals als Trainer der U13 und U14. Danach war ich über längere Zeit sportlicher Leiter des LAZ Linz und habe parallel dazu mein Studium der Sportwissenschaften mit speziellem Schwerpunkt der Trainingslehre abgeschlossen. Die ersten Erfahrungen als Cheftrainer im Erwachsenenbereich konnte ich dann beim SV Krenglbach in der 1. Klasse sammeln. Danach ging’s für dreieinhalb Jahre zu Donau Linz in die LT1 OÖ Liga und für eineinhalb weitere Jahre zur Union Edelweiß.

Im Herbst 2018 wurde ich dann Analyst des U21-Nationalteams und in weiterer Folge Co-Trainer von U21-Teamtrainer Werner Gregoritsch – das bin ich bis heute. Und zeitgleich dazu habe ich im Jänner 2020 beim LASK als Talente-Coach begonnen.

 

Und bei der UEFA EURO 2020 bist du jetzt erstmals mit dem A-Nationalteam unterwegs – wie hast du diese Nachricht im ersten Moment aufgenommen?

Ich habe mich riesig darüber gefreut. Als ich die Info bekommen habe, dass mich Franco Foda gerne als Spielanalyst in den Betreuerstab holen möchte, bin ich gerade erst vom letzten Lehrgang des U21-Nationalteams zurückgekommen. Mit dem A-Team zur EURO zu fahren, hat für mich eine sehr hohe Wertigkeit. Ich bin richtig stolz und voller Vorfreude, hier dabei sein zu dürfen.

 

Welche Aufgaben kommen in der EURO-Vorbereitung auf dich zu?

Ich bin schon seit einiger Zeit voll mit der Vorbereitung beschäftigt, mein Schwerpunkt liegt da hauptsächlich auf der Analyse unserer Gruppengegner. Und während des Lehrgangs, der diese Woche begonnen hat, geht die Gegneranalyse weiter: Die Ukraine beispielsweise hat gerade ein Testspiel gegen Bahrain absolviert, das muss ich natürlich bis ins Detail analysieren und aufbereiten.

Außerdem bin ich in die Trainingsvorbereitung eingebunden: Ich erstelle Animationen der Übungen, um die Spieler schon im Vorfeld bestmöglich auf das nächste Training vorzubereiten. Und auch für unsere Matchpläne der einzelnen Spiele erstelle ich taktische Animationen.

 

Zum Schluss die klassische EURO-Frage. Wie weit kommt Österreich und wer wird Europameister?

Ein Ziel von uns kann auf jeden Fall sein, ein Spiel zu gewinnen – das ist uns ja 2008 und 2016 noch nicht gelungen und wäre daher ein historischer Erfolg. Der Einzug in die Finalrunde wäre dann die Krönung, um von einer erfolgreichen EURO 2020 sprechen zu können. Bei Tipps auf den Europameister liege ich traditionell daneben: Aber ich sage mal Frankreich.