Oliver Glasner im „Nullachter“-Interview


Rechtzeitig zum UNIQA-ÖFB-Cup-Heimspiel gegen den SKN St. Pölten wird in der TGW-Arena wieder die aktuelle Ausgabe des Stadionmagazins „Nullachter“ aufliegen. Die Redaktion hat ein spannendes Interview mit Cheftrainer Oliver Glasner geführt.

Nullachter: Der LASK verwöhnte seine Fans zuletzt Woche für Woche mit neuen Vereinsrekorden und statistischen Bestwerten. Mit 34 Punkten überwintert man nun auf einem ausgezeichneten zweiten Tabellenplatz. Wie zufrieden sind Sie mit dem Outcome der Herbstsaison?

Oliver Glasner: Wir können sowohl mit der Platzierung als auch mit der Art und Weise, wie unsere Mannschaft aufgetreten ist, sehr zufrieden sein. So durften wir in allen drei Bewerben viele tolle Fußballabende erleben. Auch können wir mit der Entwicklung der Spieler zufrieden sein. An dieser Stelle kann man vor allem die Einberufungen ins Nationalteam anführen. Ich denke, dass der Herbst unter all diesen Aspekten sehr wünschenswert verlaufen ist.

Nullachter: Nach vielen Jahren Abstinenz feierte der LASK im vergangenen Sommer ein begeisterndes Comeback im Europacup. Was kann der einzelne Spieler aus diesen Fußballfesten gegen Lilleström und Besiktas konkret mitnehmen?

Oliver Glasner: Die Europa-League-Qualifikation war für alle Beteiligten eine spannende Erfahrung. Auch als Verein konnten wir hier ganz viel mitnehmen. Konkret denke ich dabei an die Herausforderungen, große Spiele wie diese auch in organisatorischer Hinsicht abzuwickeln. Das war natürlich eine große Challenge, welche aber von allen Protagonisten bravourös gemeistert wurde. Aus Sicht der sportlichen Abteilung bleibt vor allem die Erkenntnis, dass wir international mithalten können. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass wir unsere Leistung zu hundert Prozent auf den Platz bringen.

Lilleström war amtierender Cupsieger, Besiktas ein halbes Jahr zuvor noch im Achtelfinale der Champions League. Wir waren in beiden Spielen auf Augenhöhe und haben gesehen, dass wir auch mit vielen Stars gespickten Mannschaften Paroli bieten können. Dafür braucht es jedoch absolute Topleistungen. In puncto Selbstvertrauen war der Europacup in diesem Sinne äußerst wertvoll.

Nullachter: Erklärtes Saisonziel des LASK ist ein Platz in der Meistergruppe. Dieser gilt nach menschlichem Ermessen als erreicht. Werden Sie für das Frühjahr neue sportliche Ziele definieren?

Oliver Glasner: Der Einzug in die Meistergruppe ist für uns in zweierlei Hinsicht enorm wichtig. Einerseits wollen wir definitiv nichts mit dem Abstieg zu tun haben, andererseits möchten wir uns weiterhin mit den besten Mannschaften Österreichs messen. Es sieht nun ganz danach aus, als würden wir dieses Ziel erreichen. Ebenso sind wir weiterhin im UNIQA-ÖFB-Cup vertreten. Dort möchten wir unbedingt weiterkommen. Was die Meisterschaft betrifft, möchten wir uns nicht auf einzelne Tabellenplätze festlegen. Konkret wollen wir die im Herbst gezeigten Leistungen noch einmal toppen und etwas konstanter werden. Wenn uns das gelingt, haben wir eine sehr erfolgreiche Saison gespielt.

Nullachter: Noch im alten Jahr wurden die Verträge wichtiger Leistungsträger verlängert. Thomas Goiginger, Gernot Trauner, Philipp Wiesinger und Dominik Frieser konnten langfristig an den Verein gebunden werden. Welche Vorteile bringt eine stark ausgeprägte Kontinuität im Mannschaftskader?

Oliver Glasner: Es ist wirklich toll, dass der Verein das ermöglicht hat. Das ist sowohl eine sportliche als auch eine wirtschaftliche Auszeichnung für den Klub. Es gilt hier allen Beteiligten ein großes Kompliment auszusprechen. Der LASK ist generell attraktiver geworden. Ein entscheidender Vorteil dieser Kontinuität ist vor allem der Umstand, dass viele Dinge eingespielt sind. So beginnen wir im Training auf einem ganz anderen Level. Keller und Erdgeschoß sind bereits errichtet. Nun gilt es, Stockwerk für Stockwerk aufzubauen. Positiv ist auch, dass jeder bereits weiß, wie er mit dem anderen umgehen muss.

Nullachter: Mit Joao Klauss de Mello wechselt der aktuelle Torschützenkönig Finnlands nach Linz. Was erwarten Sie konkret von ihm?

Oliver Glasner: Wir haben im Herbst gemerkt, dass wir speziell gegen sehr defensiv stehende Mannschaften Lösungen brauchen. Wir wollten dabei keinen typischen Stoßstürmer verpflichten, sondern jemanden, der sich auch an unserem Spiel beteiligen kann. Nach ausführlicher Sondierung des skandinavischen Marktes sind wir schließlich auf Klauss gestoßen. Wir haben ihn auch vor Ort beobachtet und bemerkt, dass er mitbringt, was wir konkret suchen. Der Transfer war natürlich eine Challenge, zumal ein 21-jähriger Spieler von Hoffenheim, welcher gerade in Finnland Torschützenkönig geworden ist, natürlich auch Begehrlichkeiten anderer Klubs weckt. Er hat den unbedingten Willen, sowohl persönlich als auch mit dem LASK etwas zu erreichen. Wir sind der Meinung, dass der Wechsel zu unserem Verein auch für ihn der richtige Karriereschritt war.

Mit Gernot Trauner und Thomas Goiginger schafften im Herbst zwei Ihrer Spieler den Sprung ins A-Nationalteam. Alexander Schlager und Maximilian Ullmann sind zudem wichtige Stützen des erfolgreichen U21-Nationalteams. Hat sich der LASK mittlerweile als Sprungbrett für junge Österreicher etabliert?

Oliver Glasner: Das ist durchaus der Fall. Aus diversen Gesprächen mit Spielern wissen wir, dass der LASK sehr attraktiv geworden ist. Auch gibt es mittlerweile viele Spielerberater, die ihre Schützlinge beim Verein platzieren wollen. Im Endeffekt schaffen wir lediglich die Rahmenbedingungen. Entscheidend ist der Charakter der Spieler und ihr Wille, sich stetig verbessern zu wollen. Jeder der genannten Akteure hat seine eigene Geschichte. So ist Gernot Trauner nach einem Kreuzbandriss abgestiegen und spielt nun – eineinhalb Jahre später – im Nationalteam. Thomas Goiginger kämpfte sich über die 2. Liga zurück nach oben. Selbiges gilt für Alexander Schlager, der nach dem Gang zum FAC nun bei uns eine entsprechende Plattform bekommen hat. Maximilian Ullmann ist mit dem Verein mitgewachsen. Unsere Aufgabe ist es, den Spielern die entsprechenden Rahmenbedingungen zu geben.

Nullachter: Der LASK ist in der laufenden Saison, die internationalen Spiele eingeschlossen, vor eigenem Publikum ungeschlagen. Welchen Anteil haben daran speziell auch die Fans?

Oliver Glasner: Der Anteil der Fans ist selbstverständlich ein großer und wichtiger. In der 2. Liga waren wir sogar zwei Jahre am Stück vor heimischem Publikum ungeschlagen. Auch hier kommen wir wieder auf die Kontinuität zu sprechen. Wenn du dich als Fan mit den Spielern identifizieren willst, fällt dir das natürlich leichter, wenn diese länger beim Verein aktiv sind. Sehr viele aus unserer Mannschaft spielen mittlerweile schon sehr lange beim LASK. Ich bin der Meinung, dass zwischen Fans und Mannschaft eine Art Symbiose entstanden ist. Den Fans gelingt es, uns immer wieder zu pushen. Als bestes Beispiel kann man hier das Heimspiel gegen Salzburg ins Treffen führen. Wir waren in diesem Match bereits nach 25 Minuten mit 0:2 in Rückstand. Die Mannschaft hat sich nie aufgegeben und auch die Fans haben an uns geglaubt. All das ist über die Jahre wunderbar gewachsen.