
4.10.2026
Gerhard Gruber - Kultstatus auf vier Rädern
Ob Regionalliga oder Europacup, Meisterfeier oder Auswärtsfahrt: Seit 25 Jahren begleitet Gerhard Gruber den LASK auf allen Wegen. Aus einem zufälligen Anruf wurde eine Verbindung, die heute längst Kultstatus genießt.
Wenn der Mannschaftsbus des LASK langsam Richtung Raiffeisen Arena rollt, sitzt vorne am Steuer fast immer derselbe Mann. Ruhig, konzentriert, mit einem wachsamen Blick auf die Straße – und einem Spitznamen, den jeder beim Klub kennt: „Bussi“. Seit einem Vierteljahrhundert bringt Gerhard Gruber Spieler, Trainer und Betreuer sicher zu ihren Spielen. In diesen 25 Jahren hat der 65-Jährige aus St. Martin im Mühlkreis nahezu alles erlebt, was man im Fußball erleben kann – Aufstiege und Abstiege, Meisterfeiern und bittere Niederlagen, legendäre Trainer und unvergessliche Europacup-Nächte.
Dabei begann alles eher zufällig
„Ich hatte damals in Linz zwei Männer miteinander sprechen hören, dass der LASK ein Busunternehmen sucht, weil der Vorgänger in Konkurs gegangen ist. Dann habe ich dort angerufen – und seither bin ich beim LASK“, erzählt Gruber. Was im Frühjahr 2001 mit einem spontanen Telefonat begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlich langen und verlässlichen Zusammenarbeit mit dem LASK.
Dabei hatte sein Berufsweg ursprünglich in eine ganz andere Richtung geführt. Nach seiner Lehre zum Maschinenschlosser arbeitete Gruber viele Jahre bei Rosenbauer, ehe er im Jahr 2000 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und sein Unternehmen „Bustouristik St. Martin“ gründete. Nur wenige Monate später kam der LASK dazu – und blieb.
Immer pünktlich. Immer verlässlich.
Wer Gerhard Gruber kennt, weiß, dass Zuverlässigkeit für ihn keine Floskel ist, sondern eine Lebenseinstellung. Seine Philosophie ist einfach.
„Lieber bin ich 15 Minuten früher da als zu spät.“
Dieser Satz begleitet ihn seit Jahrzehnten. Schließlich hängt an jeder Fahrt weit mehr als nur ein enger Zeitplan. Trainings, Spielvorbereitungen und Anstoßzeiten lassen keinen Spielraum.
Dass trotzdem nicht immer alles planbar ist, hat er oft genug erlebt. Besonders gut erinnert er sich an die Auswärtsfahrt nach Graz in der vergangenen Saison.
„Bei Gleisdorf hat sich ein LKW-Unfall ereignet. Die Autobahn wurde gesperrt. Wir sind gerade noch rechtzeitig aus dem Stau herausgekommen. Später blieb die Autobahn bis zum Abend gesperrt. Wären wir ein paar Minuten später dran gewesen, hätten wir das Spiel wahrscheinlich versäumt.“
Momente wie diese bringen selbst einen erfahrenen Fahrer ins Schwitzen. Doch genau für solche Situationen braucht es Ruhe, Erfahrung – und den richtigen Instinkt.

Gerhard Gruber hat schon vieles erlebt
31 Trainer, unzählige Geschichten
Seit seinem ersten Einsatz hat Gruber eine beeindruckende Zahl an Persönlichkeiten auf der Trainerbank erlebt.
„In den 25 Jahren sind es mittlerweile 31 Trainer gewesen. Manche sogar zweimal – Lindenberger oder Daxbacher zum Beispiel.“
Einige Namen bleiben besonders in Erinnerung.
„Hans Krankl natürlich – mit seinem Schmäh. Oder Werner Gregoritsch. Den ein oder anderen habe ich zwar schon wieder vergessen, aber manche bleiben einem einfach länger im Gedächtnis.“
Während Spieler kommen und gehen und Trainer wechseln, blieb „Bussi“ stets eine Konstante. Einer, der nie im Mittelpunkt stehen wollte, aber immer da war.
Von Regionalliga bis Double
Wer 25 Jahre lang mit einer Mannschaft unterwegs ist, sammelt Erinnerungen, die weit über das Sportliche hinausgehen. Gruber war dabei, als der LASK den bitteren Gang in die Regionalliga antreten musste. Er erlebte den Meistertitel 2013 in Leoben, die Enttäuschung über die verlorene Relegation gegen Liefering und ein Jahr später die Erlösung, als der Aufstieg schließlich doch gelang.
Es folgten die Rückkehr in die Bundesliga, die legendäre Meisterfeier in Pasching, „die zwei Tage gedauert hat“, wie er lachend erzählt.
Der emotionale Höhepunkt kam jedoch viele Jahre später. „Der Cup- und Meistertitel 2026 – das Double. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Das war auch für mich sehr emotional.“
Nach Tausenden Kilometern auf Europas Straßen fühlte sich dieser Erfolg fast wie eine persönliche Belohnung an.
Gerhard Gruber bei der Meisterehrung
Europas Strassen als Herausforderung
Mit dem sportlichen Aufstieg wurden auch die Reisen länger. Internationale Auswärtsspiele führten den LASK quer durch Europa – und brachten den erfahrenen Busfahrer immer wieder an seine Grenzen. „Teilweise sind wir 18 Stunden durchgefahren – natürlich zu zweit.“
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Reisen nach Liverpool oder Florenz. „Die Tiefgarage in Florenz war eine extreme Herausforderung. Steil, eng, flach weggegangen – da war alles dabei, was du als Busfahrer eigentlich nicht haben willst.“
Doch egal ob schmale Altstadtgassen, alpine Passstraßen oder kilometerlange Nachtfahrten: Am Ende kam der Bus immer sicher ans Ziel.
Mehr als nur der Busfahrer
Für viele Spieler ist Gerhard Gruber längst weit mehr als der Mann hinter dem Lenkrad. „Ich versuche immer, mit allen Spielern gut auszukommen und die Busfahrten so zu gestalten, dass sie zufrieden sind.“
Über die Jahre entstanden Freundschaften, die weit über den Fußball hinausreichen. Früher lud Gruber Mannschaft und Betreuer regelmäßig zu Grillabenden nach Hause ein. „Einige Spieler besuchen mich auch privat. Das freut mich immer wieder sehr.“
Schlafen, essen, fahren
Fragt man ihn nach seinem Alltag, muss „Bussi“ schmunzeln. „Eigentlich besteht so ein Tag aus schlafen, essen, fahren und schauen, dass wir sicher und zeitig an unser Ziel kommen.“
Unspektakulär nennt er das selbst. Doch hinter dieser Bescheidenheit steckt ein Beruf, der höchste Konzentration verlangt. Ausreichend Schlaf, gutes Essen und volle Aufmerksamkeit sind für ihn die Grundlage jeder Fahrt. Denn während hinten über Taktik gesprochen oder Musik gehört wird, trägt vorne einer die Verantwortung für alle.
Ist nach 25 Jahren Schluss?
Eigentlich hatte Gerhard Gruber einen Plan. „25 Jahre – das wäre ein schöner Abschluss.“ Dass ihm die Mannschaft ausgerechnet zum Jubiläum den Cup- und Meistertitel schenkte, könnte kaum besser zu dieser Geschichte passen.
Und doch scheint das letzte Kapitel vielleicht noch nicht geschrieben zu sein. Vor allem der Gedanke an eine weitere internationale Saison lässt ihn noch einmal überlegen. „Das reizt mich schon. Wahrscheinlich hänge ich noch ein Jahr dran.“
Sollte es tatsächlich so kommen, würde der LASK auch in Europa wieder einen Begleiter an Bord haben, der den Verein seit einem Vierteljahrhundert wie kaum ein anderer kennt. Denn manche Menschen tragen kein Trikot, erzielen keine Tore und stehen nie im Rampenlicht. Und trotzdem gehören sie untrennbar zu einem Verein. Gerhard „Bussi“ Gruber ist einer von ihnen.

Mehr als ein Busfahrer
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Der Mannschaftsbus seit dieser Saison in neuem Glanz
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